Hüte der Macht

Ein Kurzkrimi mit Hirn ... oder ohne?

 

Hüte der Macht ist mein erster Ausflug in dieses Genre. Entstanden ist die Geschichte ursprünglich als Weihnachtskalender für Freunde, das Ende kam allerdings erst am 30.Dezember.

 

Und darum gehts:


Ein Journalist ist nachts unterwegs, um einen Informanten zu treffen und beobachtet stattdessen merkwürdige kleine Gestalten, die sich in einem Haus versammeln. Seinen Augen nicht trauend, tut er alles als Halluzination ab und geht einfach nach Hause. Doch damit fängt alles erst richtig an. Eine kleine Stimme in seinem Kopf sagt ihm, was er tun soll und so stürzt er sich in ein Abenteuer, das nicht nur ihn um Kopf und Kragen bringen, sondern die ganze Welt in den Abgrund stürzen kann.

 

Neugierig geworden? Dann folgt hier eine kleine Leseprobe :) Eine längere Leseprobe kann man hier finden oder etwas weiter unten downloaden.

 

Hüte der Macht - Leseprobe

 

Es war eine dunkle, sternenlose Neumondnacht. Die Wolken hingen tief und schwer über den Dächern meiner Stadt und die Straße auf der ich ging, wurde nur dumpf von einzelnen Laternen beleuchtet, deren Vorrat an Lampenöl noch nicht verbraucht war. Nur wenige
Lampenanzünder versahen noch ihren Dienst, deshalb brannten manche Lampen tagelang, während andere dunkel blieben.
Außer mir war keine Menschenseele unterwegs und ich setzte meine Schritte vorsichtig und lautlos, um die Ruhe der Stadt nicht zu stören. Nur in wenigen Fenstern brannte noch trübes Licht, und die letzten Geschäfte der Stadt waren schon seit Tagen geschlossen und mit
Brettern vernagelt. Ich versuchte zu erraten, ob die merkwürdige Krankheit, die sich seit einigen Monaten in unserem Land ausbreitete, noch weitere Opfer gefunden hatte. Doch überall sah es gleich verlassen aus.

Es hatte mit einigen vereinzelten, weit voneinander entfernten Fällen begonnen und zog sich nun durch alle Gesellschaftsteile unseres Landes. Bauern, Kaufmänner, Schüler, Polizisten und Politiker. Junge, Alte, Männer und Frauen. Selbst vor unserem Premierminister hatte die geheimnisvolle Krankheit nicht halt gemacht.
Das Staatsbegräbnis hatte erst vor zwei Wochen stattgefunden. Und obwohl er ein bekannter und auch außerhalb unseres Landes beliebter Politiker gewesen war, waren zu seinem Begräbnis nur wenige Menschen erschienen. Niemand aus dem Ausland hatte es gewagt unser Land zu betreten. Denn noch immer beschränkte sich die Krankheit nur auf unseren Staat.

 

Auf einer unbeleuchteten Bank am Straßenrand lag ein Bettler unter einer Zeitung und schlief. Ich brauchte nur einen kurzen Blick auf die Titelseite zu werfen, um zu wissen, dass es eine aktuelle Ausgabe war. Wenn man nach zwei Wochen noch von aktuell sprechen konnte. Ich kannte viele Berichte daraus bereits auswendig, die meisten hatte ich selbst geschrieben.
Ich war die dritte Nacht in Folge unterwegs, um mich mit einem Informanten zu treffen. Bisher war er nicht aufgetaucht und auch jetzt war seine übliche Zeit bereits verstrichen, in der ich ihm sonst an der Ecke Rathausstraße und Kurze Gasse begegnet war. In Gedanken machte ich einen weiteren Strich auf der Liste der Opfer.

 

Ein Viertel der Bevölkerung war der Krankheit bereits zum Opfer gefallen. Und mindestens ein weiteres Viertel lag krank zu Hause oder in den überfüllten und überforderten Hospitälern. Vermutlich lagen viele von ihnen längst tot in ihren Zimmern, wo niemand sie fand.

Aus Angst vor Ansteckung, und da man immer noch nicht wusste auf welchem Weg sich die Krankheit verbreitete, obwohl die klügsten Köpfe unseres Landes nach der Ursache forschten, wurden alle Leichen ohne weitere Untersuchung sofort verbrannt. In den Krematorien stapelten sich die Urnen, da oft keine Familienangehörigen mehr zu finden waren. Und wenn doch, so waren diese meist nicht bereit, sich in die Nähe eines Friedhofs zu wagen, da sie es als schlechtes Omen ansahen.
Erst gestern hatte ich einige Krematorien der Stadt besucht, um einen Artikel über ihre Arbeit zu schreiben und diesen zusammen mit der aktuellsten Namensliste der Opfer in der nächsten Ausgabe der letzten Zeitung in dieser Stadt zu veröffentlichen.

Nach und nach war das gesamte öffentliche Leben zusammengebrochen. Niemand wagte sich aus dem Haus, da überall die Ansteckung drohte. Allein der Hunger hatte die Menschen in
den ersten Wochen noch nach draußen getrieben. Inzwischen hatte sich ein großes Versorgungsnetz von Freiwilligen gebildet, das im ganzen Land Nahrungsmittel aus Hilfslieferungen verteilte, da die Produktion im Inland schon lange eingeschlafen war. Auch
unsere Zeitung wurde auf diesem Weg verteilt.

 

Langsam und fein begann es zu nieseln, und ich wollte schon umdrehen und mich endlich auf den Heimweg machen, als ich eine kleine Gestalt im Licht einer Laterne, etwa zwanzig Meter
vor mir, über die Straße huschen sah. Ich rieb mir die Augen und sah noch einmal genau hin, doch die kleine Gestalt war schon im Schatten verschwunden. Ich beschleunigte meine Schritte und hielt mich tief in den Schatten der Hauswände. Schließlich sah ich, wie die kleine
Gestalt in einem Haus verschwand.
Noch immer konnte ich nicht sagen, woran mich ihre Form erinnerte. Es war keine Katze oder Ratte gewesen, sah eher aus, wie ein kleines helles Brot. Ich schlich mich so nah wie möglich an das Haus heran, ohne die Schatten zu verlassen und wartete. Der Regen fiel jetzt in großen Tropfen vom Himmel, und an den Schultern waren meine Jacke und mein Pullover bereits vollkommen durchnässt. Unter meinen Füßen hatte sich schon eine Pfütze gebildet und ich
sagte mir, dass ich noch fünf Minuten warten würde, um dann heimzukehren, heiß zu duschen und zu hoffen, keinen Schnupfen davon getragen zu haben.
Innerlich zählte ich eher die Regentropfen, die in meinem Gesicht landeten, als die verstreichenden Sekunden, doch meine Geduld wurde belohnt. Aus der anderen Richtung der Straße kam eine weitere kleine Gestalt auf mich zu. Sie lief viel schneller als die erste Gestalt, trotzdem konnte ich sie aus der Nähe betrachten.
Was ich sah, ließ es mir schwerfallen, meinen Augen zu trauen. Zu allererst fiel mir der große bunte Hut auf, den die Gestalt auf dem Kopf trug. Danach die sechs Beinchen, die durcheinander wirbelten, so als liefen sie noch nicht lange gemeinsam durch die Welt. An jeder
Seite hingen zwei kleine Ärmchen hinab, die ab und zu zur Seite gestreckt wurden, um das Gleichgewicht zu halten. Augen oder ein Gesicht konnte ich nicht erkennen. Dafür Furchen und tiefe Rillen in bläulich weißem Fleisch. Ich hatte im Biologieunterricht nie gut aufgepasst, trotzdem war ich mir sicher, dass die kleine Gestalt, die da vor mir die Straße überquerte, ein Gehirn war. Ein Hirn, auf sechs Beinen, mit vier Armen und einem bunten Hut auf dem Kopf.
Ich fasste mir an die Stirn, die sich feucht und kühl anfühlte. Fieber hatte ich also nicht. Ob diese Halluzinationen das erste Anzeichen war, dass die geheimnisvolle Krankheit nun auch mich erwischt hatte? Wenn ich schon sterben sollte, dachte ich mir, dann nicht hier im Regen auf der Straße. Also drehte ich mich um und ging nach Hause, ohne einem weiteren Hirn mit Hut zu begegnen.

 

Hüte der Macht - Leseprobe.pdf
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Wer wissen will, wie es ausgeht, der schreibt mir einfach :)

 

Über Rückmeldungen, Anregungen oder Kommentare würde ich mich sehr freuen! :)