Danke, Lucien

Der Rücktritt von Lucien Favre hat mich unerwartet getroffen. Montagmorgen sprang mich die Nachricht an und ich war mir zunächst nicht sicher, ob es eine Ente oder die Wahrheit war. Lucien, unser Retter, Favre. Was ist in ihn gefahren? Was hat ihn zu diesem Schritt bewegt? Der ganze Verein stand doch hinter ihm. Er war auf dem besten Wege Ehrenbürger, Präsidiumsmitglied auf Lebenszeit, Denkmalträger, Sraßennamenpate und anderes zu werden. Unser Held war er schon. Überhaupt war er Unser. Unser Retter. Unser Trainer. Unser Lucien. So ein bißchen hatten wir das Gefühl, er wäre für jeden von uns da und er gehöre jedem von uns ein bißchen mit. Umso mehr trifft es uns, dass er diese Entscheidung getroffen hat ohne Rücksprache mit uns zu halten.

Favre war immer ein wenig schrullig, fast kauzig. Doch das gefiel uns an ihm. Auch der Weg, den er jetzt gewählt hat, zeigt das in aller Deutlichkeit. Er ist nicht mehr überzeugt von sich, zweifelt an seinen Fähigkeiten das Team zu führen. Wenn man ihn sah nach den letzten Spielen, sah er ratlos aus. Und ratlos wirkte er selten in den letzten 4 ½ Jahren.

Er kam zum Valentinstag und alles sah nach einer langjährigen Liebesbeziehung aus. Klar gab es Höhen und Tiefen, auch mal Zoff. Aber in welcher Beziehung gibt es das nicht? Dass nun eine Partei das Ende verkündet, während die andere sich noch dagegen wehrt…es ist fast als hätte man das Programm von Fußball- zu Klatschreporten umgestellt.

Es ist schade dass er geht. Der Zeitpunkt scheint etwas unglücklich gewählt. Englische Wochen stehen bevor. Viel Zeit bleibt also nicht, um einen Neuen zu finden und die Spekulationen überschlagen sich bereits.

Wer immer sich dieses Juwel eines Trainers als nächstes schnappt, wird von vielen beneidet werden. Das ist klar.

Auch wenn es schmerzt, ist es am Ende vielleicht besser so. Jeder kennt doch den Spruch mit dem Schrecken und dem Ende…

Hacken wir nicht auf ihm rum. Respektieren wir seine Entscheidung und wünschen wir ihm alles Gute für seine Zukunft. Und vielleicht, eines Tages, treffen wir ihn auf der Straße und laden ihn als Dank für die gute Zeit mit ihm in ein Café ein.

Für einen Mann wie Favre, der Fußball mit jeder Zelle seines Körpers atmet, wird die Situation auch nicht einfach sein. Das eigene Scheitern einzugestehen, auch das verlangt Größe. Der Zeitpunkt und die Art und Weise… nicht am günstigsten gewählt, das ist sicher. Trotzdem… Mein Herz ist hin und her gerissen zwischen Trauer, Unverständnis, Wut, Verstehen, Ungläubigkeit…


Der Blick aber muss nach vorne gehen. Die nächsten Spiele warten. Die ersten Punkte auch. Und wenn wir ehrlich sind, als Borussen-Fan, ist das doch eine vertraute Situation, wenn man die letzten Jahre mit Lucien mal außen vor lässt. Wir wissen wie es ist zu leiden, zu bangen, zu hoffen und am Ende doch enttäuscht zu werden.  Es wird nichts ändern an der Tatsache, dass wir diesen Verein lieben, ihn unterstützen und vielleicht noch unseren Enkeln von der Zeit mit Lucien erzählen werden.

 

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